Glossar
Fachbegriffe aus der Hörakustik – verständlich erklärt.
3
- 3D-Abformscanner
- Ein technisches Hilfsmittel, das Ohren kontakt- und drucklos abformt. Dieser Abdruck ist zur Herstellung von Im-Ohr-Systemen, maßgefertigten Otoplastiken und maßgefertigtem Gehörschutz erforderlich.
A
- Akku
- Ein Hörgerät benötigt eine Stromquelle. Akkus sind wiederaufladbar und können über Nacht in einer Ladestation aufgeladen werden. Die eingebauten Lithium-Ionen-Akkus halten nach dem Laden einen ganzen Hörtag durch. Während der Lebensdauer eines Akkuhörsystems muss mit ein bis zwei Akkuwechseln gerechnet werden, abhängig vom Hersteller und Nutzungsverhalten.
- App
- Moderne Hörsysteme verfügen oft über eine Smartphone-App zur Steuerung. Damit lässt sich die Lautstärke anpassen und auf verschiedene Hörprogramme zugreifen. Einige Hersteller ermöglichen sogar individuelle Programmeinstellungen, die gespeichert werden können. Das Grundprogramm bleibt unverändert oder setzt sich nach einem Neustart zurück.
- Audiogramm
- Eine grafische Darstellung des Hörvermögens, die zeigt, ab welcher Lautstärke (in Dezibel) eine Person bei verschiedenen Frequenzen (in Hertz) einen Ton wahrnimmt. Das Audiogramm ist die Grundlage jeder Hörgeräteanpassung.
- Audiometrie
- Oberbegriff für Verfahren zur Messung des Hörvermögens. Umfasst u. a. Tonaudiometrie (Töne hören), Sprachaudiometrie (Worte verstehen) und objektive Verfahren wie DPOAE oder AABR.
- Außenohr
- Das Außenohr umfasst die Ohrmuschel und den Gehörgang bis zur sichtbaren Seite des Trommelfells. Mit dem Alter wächst die Ohrmuschel, ähnlich wie die Nase. Der Gehörgang kann sich durch Gewichtsveränderungen verändern. Linkes und rechtes Ohr sind meist nicht identisch.
B
- Binaurale Versorgung
- Versorgung beider Ohren mit Hörgeräten. In den meisten Fällen empfohlen, da das Gehirn auf räumliches Hören ausgelegt ist. Verbessert das Richtungshören und Sprachverstehen in Lärm erheblich.
- Bluetooth
- Diese Technologie ist heute in fast allen Bauformen und Preisstufen verfügbar. Smartphones können problemlos direkt gekoppelt werden. Freihändiges Telefonieren ist möglich, zudem können Musik, Hörbücher, Videos, Nachrichten und Podcasts gestreamt werden. Hörgeräte fungieren als Kopfhörer-Ersatz, während die Umgebung noch wahrgenommen wird. Mit Bluetooth-Fernsehaptern ist kristallklarer Klang beim Fernsehen möglich.
C
- CROS und BiCROS
- CROS steht für „contralateral routing of signals" und beschreibt die Signalübertragung von einer Seite zur anderen. Es wird bei Versorgungen eingesetzt, wenn ein Ohr taub ist. Das Signal wird über ein Mikrofon der tauben Seite aufgefangen und auf das Hörsystem am intakten Ohr übertragen. BiCROS („binaural") kommt zum Einsatz, wenn das Empfängerohr bereits einen Hörverlust hat, der ausgeglichen wird.
D
- Dezibel (dB)
- Einheit zur Messung des Schalldruckpegels (Lautstärke). Die menschliche Hörschwelle liegt bei 0 dB, normale Sprache bei ca. 60 dB, schmerzhafte Lautstärken beginnen ab ca. 120 dB. Die logarithmische Skala bedeutet: +10 dB entspricht einer Verdopplung der wahrgenommenen Lautstärke.
- DPOAE (Distorsionsprodukt-Otoakustische Emissionen)
- Objektives Messverfahren zur Überprüfung der Funktion der äußeren Haarzellen im Innenohr. Ohne aktive Mitarbeit des Patienten durchführbar, daher u. a. beim Neugeborenen-Hörscreening eingesetzt.
F
- Frequenz (Hz)
- Schwingungen pro Sekunde, wahrgenommen als Tonhöhe. Das menschliche Ohr hört typischerweise von 20 Hz (sehr tief) bis 20.000 Hz (sehr hoch). Für das Sprachverstehen sind 500–4.000 Hz besonders wichtig.
- Freifeld-Audiometrie
- Hörtest über Lautsprecher in einem schallarmen Raum, statt über Kopfhörer. Wird u. a. zur Erfolgsprüfung der Hörgeräteversorgung eingesetzt.
H
- Habituation
- Gewöhnungsprozess, bei dem das Gehirn lernt, dauerhaft vorhandene, unwesentliche Reize (z. B. Tinnitus) zu ignorieren. Ziel der Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT).
- Haarzellen
- Sensorische Zellen in der Cochlea, die Schallwellen in elektrische Impulse umwandeln. Beim Schallempfindungshörverlust sind sie beschädigt oder abgestorben; sie regenerieren sich nicht.
- Hinter-dem-Ohr-Gerät (HdO)
- Die gesamte Technik sitzt in einem Gehäuse hinter dem Ohr. Ein Winkel wird mit Schallschlauch und maßgefertigtem Ohrstück verbunden. Diese Bauform ist robust, benutzerfreundlich und kann mit Akku oder Batterie ausgestattet sein. Sie bietet Platz für starken Lautsprecher und Bluetooth-Konnektivität.
- Hörsturz
- Plötzlicher, einseitiger Hörverlust, oft mit Ohrgeräuschen (Tinnitus) oder Schwindelgefühl. Medizinischer Notfall – sofortige HNO-Vorstellung erforderlich.
- Hörsystem
- Ein Hörsystem ist prinzipiell gleichbedeutend mit einem Hörgerät. Der Unterschied liegt darin, dass der Begriff „Hörsystem" in Fachkreisen das elektronische Gerät und die Ankopplung ans Ohr beschreibt.
- Hörtest
- Allgemeine Bezeichnung für audiologische Messverfahren. Bei uns: kostenloser Ton- und Sprachaudiometrie-Test, ca. 30 Minuten.
- HörStar
- Qualitätsmerkmal für Hörakustik-Fachbetriebe, das besondere Beratungsqualität, Transparenz und Kundenfreundlichkeit auszeichnet.
I
- Im-Ohr-Gerät (IdO)
- Die gesamte Technik sitzt in einer Schale im Ohr. Diese kann maßgefertigt oder universell sein. Ein Filter schützt vor Ohrschmalz. Die Größe hängt vom Gehörgang des Trägers und gewünschten Komfortfunktionen ab. Empfehlenswert bei Wunsch nach unsichtbarem Gerät, leicht- bis mittelgradigem Hörverlust und großem Gehörgang.
- Induzierte Hörschäden
- Hörverluste durch übermäßige Schallbelastung (Lärm am Arbeitsplatz, Konzertbesuche, Kopfhörer). Präventiv: Gehörschutz verwenden.
K
- Konduktionstestung
- Messung des Knochenleitungshörens über einen Knochenleitungshörer hinter der Ohrmuschel. Hilft bei der Differenzierung von Innenohr- und Mittelohrschwerhörigkeit.
L
- Lärmschwerhörigkeit
- Hörverlust durch dauerhafte oder einmalige Lärmexposition. Betrifft vor allem den Hochtonbereich (4.000 Hz, „c5-Senke"). Nicht heilbar, aber durch Hörgeräte gut zu versorgen.
- Lokalisationshören
- Fähigkeit, die Richtung einer Schallquelle zu bestimmen. Funktioniert am besten mit zwei Ohren (binaurales Hören). Hörgeräte synchronisieren sich drahtlos, um dieses Hören zu unterstützen.
M
- Masker / Noiser
- Hörgerätezusatzfunktion oder eigenständiges Gerät, das zur Tinnitus-Therapie ein angenehmes Hintergrundrauschen erzeugt, um das störende Ohrgeräusch zu überlagern.
- Mittelohrschwerhörigkeit (konduktive Schwerhörigkeit)
- Hörverlust durch Störungen im Schallleitungsapparat (Trommelfell, Gehörknöchelchen). Oft behandelbar durch Medikamente oder Operationen. Kann auch mit Hörgeräten versorgt werden.
O
- Ohr-Abdruck / Abformung
- Um maßgefertigte Ohrstücke (Maßotoplastiken) oder maßgefertigten Gehörschutz herzustellen, benötigt man einen Ohr-Abdruck. Dieser kann mittels 3D-Scanner oder klassisch mit 2-Komponenten-Silikonmasse genommen werden. Wichtig ist eine drucklose Abformung in sauberen Ohren für genaue Ergebnisse.
- Okklusion
- Okklusion beschreibt das verstärkte Wahrnehmen körpereigener Geräusche bei verschlossenem Gehörgang. Dieser Effekt tritt besonders häufig auf, wenn die tiefen Töne noch gut wahrgenommen werden und der Gehörgang weitgehend durch ein Hörsystem verschlossen wird.
- Otoplastik / Ohrstück
- Maßotoplastiken sind individuell maßgefertigte Ohrstücke, die universelle Schirmchen ersetzen. Eine Ohr-Abformung ist erforderlich. Die Herstellung erfolgt aus dem Silikonabdruck oder einem 3D-Scan. Sie passen wie ein Schlüssel zum Schloss, gewährleisten perfekten Sitz, gute Abdichtung und oft besseres Hörverstehen.
P
- Presbyakusis (Altersschwerhörigkeit)
- Altersbedingte Abnahme des Hörvermögens, vor allem im Hochtonbereich. Beginnt häufig nach dem 50. Lebensjahr. Die häufigste Ursache für Schwerhörigkeit überhaupt.
R
- Receiver-in-Canal (RiC) / Ex-Hörer-Gerät
- Fast die gesamte Technik sitzt in einem Gehäuse hinter dem Ohr. Der Hörer (Receiver) sitzt extern direkt im Gehörgang und ist über ein feines Kupferkabel mit dem Gerät verbunden. Ein Filter schützt vor Ohrschmalz. Ein „Dome" oder maßgefertigte Otoplastik hält den Hörer. Empfehlenswert bei Wunsch nach unauffälligem Gerät und leicht- bis hochgradigem Hörverlust.
- Reinigungsspray
- Eine spezielle Flüssigkeit zur Reinigung von Hörsystemen und Otoplastiken. Empfohlen wird eine Reinigung nach Bedarf oder einmal wöchentlich.
- Rückkopplung (Pfeifen)
- Ein helles Pfeifen, das entsteht, wenn Mikrofon und Lautsprecher zu nah beieinander sind. Das Mikrofon erfasst den verstärkten Ton vom Lautsprecher und verstärkt ihn erneut. Bei Hörsystemen passiert dies meist durch schlecht sitzendes oder defektes Ohrstück. Moderne Geräte haben ausgefeilte Algorithmen, um dies zu verhindern.
S
- Schallempfindungshörverlust (sensorineuraler Hörverlust)
- Hörverlust durch Schäden am Innenohr (Cochlea) oder am Hörnerv. Die häufigste Form von Schwerhörigkeit. Nicht heilbar, aber mit Hörgeräten gut zu versorgen.
- Schlafschutz
- Ein spezieller Gehörschutz aus besonders weichem Silikon für Personen, die von Schlafpartnern gestört werden. Er wird individuell maßgefertigt und kann sehr klein oder in Gehörgangsform hergestellt werden. Eine Ohr-Abformung ist erforderlich. Er ist kaum spürbar, auch beim Seitenschlafen, und in verschiedenen Farben wählbar.
- Sprachaudiometrie
- Hörtest mit Sprache (Einsilber, Zweisilber, Sätze). Misst das Sprachverstehen – also nicht nur, ob man etwas hört, sondern ob man es versteht.
- Streaming
- Direktübertragung von Audiosignalen (Telefon, TV, Musik) per Bluetooth vom Gerät ins Hörgerät, ohne Umweg über die Luft.
T
- Tinnitus
- Wahrnehmung von Geräuschen (Piepen, Rauschen, Summen) ohne externe Schallquelle. Symptom verschiedener Ursachen; kann akut oder chronisch auftreten.
- Tonaudiometrie
- Standardhörtest: Der Patient trägt Kopfhörer und signalisiert, wenn er einen Ton hört. Ergebnis ist das Audiogramm.
- Trockengerät
- Ein elektrisches oder nicht-elektrisches System zum Trocknen von Hörsystemen. Die meisten Reparaturen entstehen durch Feuchtigkeit im Gerät. Da Hörsysteme bis zu 16 Stunden täglich getragen werden, sind sie ständig Schweiß und Luftfeuchtigkeit ausgesetzt.
- Trockenkapseln
- Hörsysteme sind beim Tragen großer Feuchtigkeit ausgesetzt. Einige Ladestationen haben integrierten Platz für Trockenkapseln, um Systeme über Nacht zu trocknen. Batteriehörsysteme benötigen spezielle Trockenbecher. Kapseln müssen regelmäßig getauscht werden, wenn sich die Farbe von orange zu weiß ändert.
- TV-Adapter
- Ein kleines Gerät, das per Kabel (Klinke, TOSLINK, Cinch etc.) an handelsübliche Fernseher angeschlossen wird. Es überträgt den Fernsehton direkt in die Hörsysteme und eliminiert raumakustische Faktoren, die schlechtes Verstehen verursachen.
V
- Verordnung
- Eine Verordnung ist ein Rezept für Hörhilfen, manchmal auch als Muster 15 bezeichnet. Sie wird vom HNO-Arzt ausgestellt und ist Voraussetzung für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse.
- Verstärker
- Kernfunktion des Hörgeräts. Moderne digitale Geräte verstärken frequenzspezifisch, situationsadaptiv und unter Unterdrückung von Störlärm.
Häufige Fragen & persönliche Beratung
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