Das Hörlexikon

Rund ums Hörgerät

CROS und BiCROS

Die Abkürzung CROS steht für »contralateral routing of signals« und beschreibt, dass ein Signal von einer Seite auf eine andere übertragen wird.
In der Akustik wird es für Versorgungen genutzt, bei denen ein Ohr taub ist. Dazu wird das Signal über ein Mikrofon auf der tauben Seite aufgefangen und auf ein Hörsystem am noch intakte Ohr  übertragen.
Hat das Empfängerohr bereits einen Hörverlust und wird dieser ausgeglichen, so spricht man von BiCROS. »Bi« steht hier für »binaural«, also »beidohrig«.

Hörsystem

Lila RiC Hörgerät

Ein Hörsystem ist prizipiell das Gleiche wie ein Hörgerät. Der einzige Unterschied besteht in Fachkreisen darin, dass Hörsystem das elektronische Gerät und die dazugehörige Ankopplung ans Ohr meint.

Okklusion

Okklusion beschreibt das verstärke wahrnehmen körpereigener Geräusche bei verschlossenem Gehörgang. Dieser Effekt tritt besonders häufig auf, wenn man die tiefen Töne noch gut wahrnehmen kann und der Gehörgang weitestgehend durch z.B. ein Hörsystem verschlossen wird.

Rückkopplung

Eine Rückkopplung beschreibt ein meist sehr helles Pfeifen. Es entsteht, wenn ein Mikrofon und ein Lautsprecher zu nah beieinander sind. Das Mikrofon greift hierbei den verstärkten Ton auf, der über den Lautsprecher abgespielt wird und verstärkt ihn erneut. Der Lautsprecher seinerseits gibt den erneut verstärkten Ton wieder ab und so schaukelt sich das innerhalb von Sekunden in die Höhe.

Bei Hörsystemen im speziellen passiert dies in der Regel, wenn das Ohr nicht vollständig verschlossen ist. Das kann mehrere Ursachen haben. Zum Beispiel ein schlecht sitzendes Ohrstück, ein defektes Schirmchen oder ein nicht richtig eingesetztes Ohrstück.

Bauformen

Hinter-dem-Ohr Gerät (HdO)

Ein Hörgerät, bei dem die gesamte Technik in einem Gehäuse hinter dem Ohr getragen wird. Meist wird ein sogenannter Winkel am Hörgerät befestigt, welcher dann mit einem Schallschlauch und einem maßgefertigten Ohrstück verbunden ist.
Diese Bauform ist besonders robust, einfach zu Bedienen und kann sowohl mit einem Akku (wiederaufladbar), als auch einer Batterie ausgestattet sein.

Empfehlenswert wenn:

  • Besonders schmale, kleine Ohren/Gehörgänge vorhanden sind
  • Eine einfache Bedienung gewünscht ist
  • Der Hörverlust einen bestimmten Schweregrad erreicht hat
  • Der Hörsystemtragende ein Kind ist

In-dem-Ohr Hörsystem (IdO)

Ein Hörgerät, bei dem die gesamte Technik in einer Schale im Ohr getragen wird. Die Schale kann sowohl maßgefertigt, als auch universell sein. Um das Gerät vor Ohrschmalz (Cerumen) zu schützen, sitzt in der Regel ein Filter vor dessen Eingang.
Die Größe des IdOs hängt davon ab, wie groß der Gehörgang des Tragenden ist und welche Komfortfunktionen — wie z.B. zwei Mikrofone, Akku oder Bluetooth — das Gerät haben soll.
Diese Bauform ist je nach Größe die optisch ansprechendste, bietet dabei in den kleinsten Ausführungen allerdings nicht alle Komfortfunktionen und ist häufig mit einer sehr kleinen 10er Batterie ausgestattet.

Empfehlenswert wenn:

  • Der Hörsystemtragende ein möglichst unsichtbares Gerät wünscht
  • Der Hörverlust sich im leicht- bis mittelgradigen Bereich befindet
  • Der Gehörgang groß und nicht zu stark gekrümmt ist
  • Auf Komfortfunktionen verzichtet werden kann
  • Wenig Cerumen und Schweiß vorhanden ist

Receiver-in-Canal (RiC) oder auch Ex-Hörer-Gerät

Ein Hörgerät, bei dem fast die gesamte Technik in einem Gehäuse hinter dem Ohr getragen wird. Lediglich der Hörer (Receiver), der für den Empfang und die Wiedergabe des Gehörten zuständig ist, sitz extern direkt im Gehörgang.
Dieser ist über ein feines Kupferkabel mit dem Hörgerät verbunden. Um den Hörer vor Ohrschmalz (Cerumen) zu schützen, sitzt in der Regel ein Filter vor dessen Eingang. Damit der Hörer auch im Gehörgang gut hält, wird entweder ein so genannter »Dome« oder eine maßgefertigte Otoplastik am Hörer befestigt. Diese Bauform ist optisch sehr ansprechend, bietet dabei alle Komfortfunktionen ohne Verzicht und kann sowohl mit einem Akku (wiederaufladbar), als auch einer Batterie ausgestattet sein.

Empfehlenswert wenn:

  • Der Hörsystemtragende ein unauffälliges Gerät wünscht
  • Der Hörverlust sich im leicht- bis hochgradigen Bereich befindet
  • Die breiteste Auswahl an verschiedenen Herstellern zur Verfügung stehen soll

Zubehör

Reinigungsspray

Reinigungsspray ist eine spezielle Flüssigkeit die, wie der Name schon sagt, zur Reinigung der Hörsysteme und Otoplastiken genutzt wird. Empfohlen wird eine Reinigung nach Bedarf oder einmal wöchentlich.

Trockengerät

Die meisten Reparaturen an Hörsystemen mit Batterie entstehen durch Feuchtigkeit im Gerät. Ein Trockengerät ist ein elektrisches oder nicht elektrisches System, welches zum Trocknen der Hörsysteme gedacht ist.
Weil ein Hörsystem in der Regel bis zu 16 Stunden am Tag am Ohr verbringt, ist es ständig Feuchtigkeit durch Schweiß oder Luftfeuchtigkeit ausgesetzt.
Dabei dringt diese durch die Batterieklappe oder die Mikrofonöffnungen ins Gerät ein und kann im schlimmsten Fall die Elektronik kurzschließen, oder die empfindlichen Teile der Tasterelemente beschädigen.

Trockenkapseln

Hörsysteme sind beim Tragen über den Tag jeder Menge Feuchtigkeit ausgesetzt. Dies kann dafür sorgen, dass sich die Feuchtigkeit ins Gerät setzt. Damit die Systeme über Nacht, wenn die Hörgeräte nicht getragen werden, trocknen können, haben einige Ladestationen einen integrierten Platz für Trockenkapseln. Für Batteriehörsysteme gibt es spezielle Trockenbecher, in denen die Trockenkapseln und Hörgeräte trocknen können. Sie müssen regelmäßig getauscht werden, wenn sich die Farbe von orange in Richtung weißlich ändert, da sie dabei ihre Wirksamkeit verlieren.

TV-Adapter

Ein TV-Adapter ist ein kleines Kästchen, dass per Kabel (Klinke, TOSLINK, Cinch, etc.) an fast jeden handelsüblichen Fernseher der letzten Jahre angeschlossen werden kann. Er sorgt dafür, dass der Ton des Fernsehers direkt in die Hörsysteme überspielt werden.
So können alle raumakustischen Faktoren, die für schlechtes Verstehen beim Fernsehschauen sorgen, eliminiert werden.

Ohranatomie

Außenohr

Das Außenohr beschreibt die Ohrmuschel und den Gehörgang bis einschließlich zur sichtbaren Seite des Trommelfells.
Vor allem die Ohrmuschel wächst im Alter — ähnlich wie die Nase — noch weiter. Aber auch der Gehörgang kann sich verändern. Zum Beispiel kann er durch starke Gewichtsab- oder zunahme schmaler oder breiter werden.
Meist sind das linke und rechte Ohr nicht identisch. Vor allem die Verläufe, Dicken und Höhen der beiden Gehörgänge sind in der Regel unterschiedlich und können sich extrem voneinander unterscheiden.

Gehörschutz

Schlafschutz

Kennen Sie ihn auch, den sägenden Schlafpartner, der Ihnen die wohlverdiente Ruhe stört?
Genau für solche Fälle ist dieser spezifische Gehörschutz gedacht. Er wird aus besonders weichem Silikon individuell maßgefertigt und kann sowohl ganz klein, als auch in Gehörgangsform gefertigt werden.

Sonstiges

(Maß‑)Otoplastik/​Ohrstück

Mehrfarbige Acryl-Spangenotoplastik

Maßotoplastiken — oder auch nur Otoplastik, SE (Secret Ear) — sind individuell maßgefertigte Ohrstücke. Sie ersetzen universell einsetzbare Schirmchen oder so genannte »80%-Otoplastiken«.
Um eine solche Maßfertigung herstellen zu können, ist eine Abformung des Ohres notwendig. Hierzu wird eine Silikonmasse in den Gehörgang gegeben, die nach wenigen Minuten vollständig ausgehärtet ist und herausgeholt werden kann.
Alternativ zur Silikonmasse kann auch ein 3D-Scanverfahren angewendet werden, welches völlig druck- und kontaktlos ist. Ist der Abdruck genau genug, wird dieser von einem Otoplastiklabor als Vorlage zur Herstellung der Otoplastik verwendet.
Diese passen dann wie ein Schlüssel zu ihrem Schloss. So wird ein perfekter Sitz, eine gute Abdichtung und ein oftmals besseres Hörverstehen gewährleistet.

3D-Abformscanner

Der 3D-Scanner ist ein technisches Hilfsmittel, mit dem die Ohren kontakt- und drucklos abgeformt werden können. Dieser Abdruck ist zur Herstellung von Im-Ohr-Systemen (IdO), maßgefertigten Otoplastiken und maßgefertigtem Gehörschutz nötig.

Verordnung

Eine Verordnung ist ein Rezept für Hörhilfen. Wird manchmal auch als Muster 15 bezeichnet.